
Natillas sind kein Vanillepudding. Das klingt nach einer kleinen Korrektur — ist aber der wichtigste Satz, den ich über dieses Rezept sagen kann. Wer Natillas zum ersten Mal probiert und erwartet, was in Deutschland unter Pudding läuft, wird überrascht sein: feiner, echter, weniger süß.
In Spanien ist dieses Dessert so selbstverständlich wie bei euch der Joghurt. Jede Großmutter macht sie anders — mehr oder weniger fest, mit oder ohne Maizena, mit Zitrone oder Vanille. Was immer gleich bleibt: eine Galleta María obendrauf und Zimtpulver drüber. Das ist kein Dekoration, das ist Teil des Rezepts.
In diesem Artikel zeige ich dir das klassische Natillas Rezept aus Spanien — das Original, nicht die lateinamerikanische Variante, nicht das Fertigprodukt. Einfach zu machen, schwer zu vergessen.
Portionen
4 Personen
Vorbereitung
10 Minuten
Kochzeit
25 Minuten
Gesamtzeit
35 Min. + 2 Std. kühlen
Schwierigkeit
Einfach
Gericht
Dessert
Das Wichtigste findest du in meiner Anleitung unten.
Was sind Natillas – und was haben sie mit Pudding zu tun?
Natillas sind ein spanisches Dessert auf Basis von Eigelb, Milch, Zucker und Stärke — aromatisiert mit Vanille, Zimt und Zitronenschale. Die Konsistenz liegt zwischen einem cremigen Pudding und einer Crème anglaise: fließfähiger als Flan, fester als flüssige Sahne. Obendrauf kommt immer eine Galleta María — ein dünner, leicht süßer Butterkeks, der typisch für spanische Küche ist — und Zimtpulver.
Was Natillas vom deutschen Pudding unterscheidet, ist nicht nur die Textur. Es ist die Herstellung: kein Fertigpulver, keine Zusatzstoffe — nur vier Zutaten, die jeder zu Hause hat. Das Rezept stammt aus der spanischen Klosterküche des Mittelalters — Eigelb und Milch waren in Klöstern reichlich vorhanden, und aus diesen zwei Grundzutaten entstand eine der beständigsten Süßspeisen der iberischen Halbinsel.
Wer im deutschen Supermarkt nach Natillas sucht, findet manchmal ein Produkt aus Lateinamerika — besonders aus Kolumbien, wo Natillas ein völlig anderes Gericht sind: fester, mit Panela gesüßt, oft zu Weihnachten gegessen. Das hat mit dem spanischen Original wenig gemeinsam. In diesem Artikel geht es ausschließlich um die spanische Version.
In diesem Artikel zeige ich dir das klassische Natillas Rezept aus Spanien — wie es in spanischen Haushalten seit Generationen gemacht wird. Einfach, echt, ohne Überraschungen.
Zutaten für Natillas
Für 4 Personen:
- 500 ml Vollmilch
- 4 Eigelb (Größe L)
- 75 g Zucker
- 1 EL Maisstärke (Maizena)
- 1 Zimtstange
- 1 kleine Vanilleschote (oder 1 TL Vanillepaste)
- Schale einer halben Bio-Zitrone
- Zum Servieren: Galletas María + Zimtpulver
Hinweis zur Maizena: Die Maisstärke ist optional — ohne sie werden die Natillas zarter und feiner, aber auch heikler in der Zubereitung. Mit einem Esslöffel Maizena ist das Risiko des Gerinnens deutlich geringer. Für das erste Mal empfehle ich die Variante mit Stärke.

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- Milch aromatisieren
- Die Milch in einen Topf geben mit der Zimtstange, der aufgeschnittenen Vanilleschote und der Zitronenschale. Bei mittlerer Hitze fast bis zum Kochen bringen, dann vom Herd nehmen und 15 Minuten ziehen lassen. Danach durch ein Sieb abgießen.
- Eigelbe mit Zucker und Maizena vermengen
- Die Eigelbe in eine Schüssel geben und mit dem Zucker schaumig schlagen. Die Maisstärke dazugeben und gut verrühren bis keine Klümpchen mehr vorhanden sind.
- Milch langsam einrühren
- Die aromatisierte Milch nach und nach unter ständigem Rühren zu der Eigelbmasse geben — nicht alles auf einmal. Das verhindert, dass die Eier gerinnen.
- Im Wasserbad eindicken
- Die Masse in einen Topf im Wasserbad geben und bei schwacher Hitze unter ständigem Rühren mit einem Schneebesen erhitzen — die Flüssigkeit darf nie kochen. Nach 10–15 Minuten dickt die Creme ein. Sie ist fertig, wenn sie an einem Löffel haftet und eine saubere Linie zieht.
- In Schüsseln füllen und kühlen
- Die Natillas durch ein feines Sieb in einzelne Schüsseln oder Gläser gießen. Mit Frischhaltefolie direkt auf der Oberfläche abdecken — das verhindert die Hautbildung. Mindestens 2 Stunden kalt stellen, besser über Nacht.
- Vor dem Servieren garnieren
- Eine Galleta María auf jede Portion legen und mit Zimtpulver bestreuen. Sofort servieren — die Galleta wird nach einer Weile weich, was manche mögen, aber frisch ist sie besser.
Meine Tipps für perfekte Natillas
Niemals kochen lassen. Das ist die wichtigste Regel. Sobald die Masse kocht, gerinnt das Eigelb und die Natillas werden körnig. Das Wasserbad ist keine Übertreibung — es schützt vor direkter Hitze und gibt dir die Kontrolle, die du brauchst.
Die Folie direkt auf die Oberfläche. Wenn Luft an die noch warmen Natillas kommt, bildet sich eine Haut — genauso wie bei Pudding. Frischhaltefolie direkt auf die Creme legen, nicht darüber spannen. Das macht den ganzen Unterschied.
Galleta María ist kein Ersatz. In Deutschland findet man Galletas María in spanischen Supermärkten, in manchen REWE oder Kaufland mit internationalem Sortiment, und online. Der Butterkeks funktioniert als Ersatz, aber er ist dicker und weniger charakteristisch. Die Galleta María hat eine Textur und einen Geschmack, der zu den Natillas passt wie nichts anderes.
Über Nacht ist immer besser. Natillas die frisch gemacht und sofort gegessen werden, sind gut. Natillas die 12 Stunden im Kühlschrank standen, sind sehr gut. Die Aromen von Zimt, Vanille und Zitrone brauchen Zeit, um sich zu entwickeln.
Ohne Maizena geht es auch — aber mit mehr Eigelben. Die traditionellste Variante verwendet keine Stärke und dafür mehr Eigelbe (6–7 statt 4 für 500 ml Milch). Das Ergebnis ist seidiger, aber das Zeitfenster zwischen perfekt und geronnen ist sehr klein. Für Einsteiger empfehle ich die Variante mit Maizena.

FAQ – Häufige Fragen zu Natillas
Produkte für deine Natillas
Für dieses Rezept habe ich drei Küchenhelfer ausgewählt, die wirklich einen Unterschied machen — besonders beim ersten Mal Natillas kochen.
Hinweis: Affiliate-Links (ich erhalte eine kleine Provision, Preis bleibt gleich). Ich empfehle nur, was ich selbst nutzen würde.
- Schneebesen aus Edelstahl – Für die Natillas brauchst du einen guten Schneebesen, den du 15 Minuten lang ununterbrochen benutzt. Ein stabiler Edelstahlschneebesen mit ergonomischem Griff macht das deutlich angenehmer.
- Feines Sieb / Küchensieb – Die Natillas am Ende durch ein feines Sieb gießen gibt eine perfekt glatte, klümpchenfreie Creme. Ein unverzichtbarer Schritt für das professionelle Ergebnis.
- Dessertschüsseln aus Keramik – Natillas werden traditionell in kleinen Keramikschüsseln oder -töpfchen serviert. Keramik hält die Kälte länger als Glas und sieht dabei aus wie aus einem spanischen Restaurant.
Natillas und was dazu passt
Hast du Natillas schon mal selbst gemacht — oder war das bisher nur etwas aus dem Supermarkt? Schreib es mir in die Kommentare. Ich bin neugierig, ob ihr die Galleta lieber knusprig oder leicht aufgeweicht mögt.
Wenn du Lust auf weitere spanische Desserts hast:
- Crema Catalana – das Original aus Katalonien
- Tarta de Santiago – der Mandelkuchen aus Galizien
- Churros Rezept – das Original ohne Ei

Über den Autor
David Badorrey Martinez
Ich bin David — Spanier aus Barcelona, seit 2024 in Deutschland. Meine Mutter würde sich wundern, dass ich hier spanische Rezepte erkläre. Aber irgendjemand muss es ja richtig machen.
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